1994 Vernissage "WOHER-WOHIN" im Vonderau-Museum

OB Dr. Wolfgang Hamberger: Meine sehr verehrten Damen und Herrn, liebe Gäste! Ich möchte Sie sehr herzlich begrüßen und ich denke, das ist im Sinne aller, um das Museum, um die Ausstellungen, um die Kunst und in Sonderheit Malerei hier in unserem Raum kümmern, dafür ist das hier, wo wir selbst aktiv sind, ein besonders schönes Erlebnis, dass so viele wie schon lange nicht mehr heute Abend den Weg ins Vonderau-Museum und zu dieser Ausstellungs-Eröffnung gefunden haben. Ganz herzlichen Dank für diesen Beweis der Verbundenheit und Sympathie. Alles das gilt dem Künstler. Hier steht er. Wir heißen ihn herzlich willkommen und danken Ihnen, lieber Herr Ziegler, dass Sie uns heute die Chance gegeben haben, Ihr schönes Hobby, das so eine Dimension angenommen hat, einem größeren Kreis in Fulda und darüber hinaus bekannt zu machen. Natürlich heiße ich auch Ihre liebe Frau herzlich willkommen. Ich habe mit ihr noch kein Gespräch geführt, was darauf hinausläuft, was eigentlich in der Familie abläuft, wenn der Mann so ein ihn offensichtlich so engagierendes Hobby hat, aber da sie ja auch ein Hobby hat, ein ganz anderes, wird es sich irgendwo wieder ausgleichen.

Sehr herzlich möchte ich auch Herrn Alexander Deisenroth bei uns begrüßen. Wer schon eine Gelegenheit hatte, den sehr schön gestalteten Katalog zu sehen oder zumindest einmal einen Blick hinein zu werfen, der hat wahrgenommen, dass Herr Deisenroth sehr einfühlsam und in offensichtlich guter Kenntnis von Person und Werk eine Einführung gegeben hat. Dafür möchte ich Ihnen danken und auch gleichzeitig dafür, dass Sie dazu auch hier jetzt zur Ausstellungseröffnung etwas sagen werden.

Aus dem Kreis derer, die zur Familie der Fuldaer Künstler gehören, mögen einige da sein, ich nenne jetzt mal stellvertretend Herrn Sippel für viele andere, und danke Ihnen allen, dass Sie immer auch dann, wenn einer Ihrer Kollegen hier etwas präsentiert, mit dabei sind und damit Interesse und Solidarität bekunden.

Einen herzlichen Gruß entbiete ich unserem Stadtverordneten-Vorsteher, Herrn Heinz Gellings, ich nehme an, dass er froh ist, dass er heute Abend mal nicht in die Bütt muss, obwohl das ja auch ein Genuss ist, ihn dort zu erleben, und – ich meinte jetzt nicht die im Stadtschloss, sondern … Gelächter… und mit ihm sind gekommen einige Mitglieder der Städtischen Gremien. Da fange ich gleich mit Frau Ziegler-Raschdorf an, aber auch unseren Vorsitzenden der CDU-Fraktion, Herrn Schäfer und Herrn Krah und Herrn Jordan, und mit mir gekommen ist vom Magistrat Klaus Rill, unser Stadtrat, und das mag Ihnen auch zeigen, dass das Interesse am Künstler und seinem Werk groß ist. Meine Damen und Herren, ich könnte mir vorstellen, und in einem Fall ist es mir passiert, ich nehme es einmal in gewisser Weise symptomatisch für die Situation, wo mir jemand gesagt hat: Ach, der Herr ist das. Den habe ich schon öfter bei Ausstellungseröffnungen gesehen, aber dass er selber malt, wusste ich gar nicht. Es wäre nicht zu verwundern, wenn es noch mehr davon gäbe. Viele werden ihn als tüchtigen Unfallchirurgen kenne und kaum ihn identifizieren als jemanden, der malt und der sich dieser schönen Aufgabe widmet. Dennoch, es können etwa zehn Jahre sein, in denen wir Sie auch schon immer in den Jahresausstellungen der Fuldaer Künstler und des Fuldaer Künstlerbundes gezeigt haben. Und der aufmerksame Beobachter der Szene ist also auf Herrn Ziegler schon mehr als einmal hingewiesen worden und konnte sich damit beschäftigen.

Ich nannte den Beruf, und wir kennen die Tätigkeit, die er sich zum Nebenberuf oder zum Hobby erwählt hat. Und es wäre ein Wunder, wenn es nicht da auch einen sehr tiefen Zusammenhang und Bezug gäbe, etwa derart dass die aufreibende Berufsarbeit auf der einen Seite ihre entspann ende Entsprechung findet in der künstlerischen Kreativität auf der anderen Seite. Und den Patienten wird das nur guttun. Also Sie setzen sozusagen ein Beispiel, lieber Herr Ziegler, wie man sich ein Feld erschließen und im Laufe der Jahre auch zu beachtlicher Reife entwickeln kann und das alles neben dem Beruf zum Broterwerb. Und das lässt mich auch ein bisschen ermutigend für alle, die es betrifft, sagen: Wer immer sich berufen fühlt, sollte es doch mal versuchen. Das muss nicht gleich in diesem Anspruch sein und es wird nicht gleich eine Ausstellung hier zugesagt, aber viele, Herr Deisenroth, sind in Ihre Schule gegangen, die es zu einer beachtlichen Reife und Qualität gebracht haben. Und es gibt doch zunächst einmal etwas, was man für sich selber tut, um selbst seine Möglichkeiten zu nutzen und auszuschöpfen. Und wenn es dann in eine solche Dimension entwickelt, umso schöner und umso besser. Aber wie wertvoll ist es, wenn neben dem Beruf etwas Derartiges steht, was seine Gültigkeit voll hat, und was dann auch zum notwendigen Ausgleich zur Arbeit, zum Beruf bringt.

Künstler ist, wer die Welt immer neu sieht, so als geschähe es zum ersten Mal, und dann noch die Fähigkeit hat, auch andere es so sehen zu lassen. So etwa könnte man es sehen, und ich möchte damit die einführenden und begrüßenden Worte abschließen, weil ich davon ausgehe, dass Herr Deisenroth über das, wie der Künstler Ziegler seine Arbeit sieht und wie er an seine Kunst herangeht, sehr viel besser als ich sagen kann und damit Werk und Persönlichkeit am besten vorzustellen in der Lage ist. Herr Deisenroth, Sie haben das Wort.





Alexander Deisenroth: Ich bedanke mich. Ja, die Künstler haben der Stadt doch sehr viel zu verdanken, dass wir jetzt hier die wunderbaren Ausstellungsräume haben. Ich möchte Ihnen herzlich danken für Ihre Aufgeschlossenheit, und möchte Herrn Dr. Kirchhoff danken für sein Engagement, und vor allem nicht vergessen Herrn Gisbert Seng, der, sagen wir einmal die rechte Hand von all dem ist und vor allem diese praktischen Seiten durchgeführt hat und mit ganz großem Verständnis und auf eine wunderbare Art und Weise all die Bilder hier so gut platzieren konnte, wie wir sie heute hier vorgestellt bekommen.

„Die Kunst ist eine zum Fanatismus verpflichtende Mission“, sagt Nietzsche. Was verstehen wir denn eigentlich unter Kultur? Wenn ich Sie fragen würde, was verstehen wir unter Kultur, da würden Sie wahrscheinlich eine Menge verschiedener Antworten geben. Ich habe mal versucht, es etwas zusammen zu fassen, nämlich: unter Kultur verstehen wir die Zusammenfassung von naturwissenschaftlicher, geisteswissenschaftlicher, religiöser, bildender Kunst, darstellender Kunst, und auch der Zivilisation. Wenn wir das einmal so nehmen, dann bekommen wir einen interessanten Einblick in das, was eigentlich wir als Kulturnation sein sollten.

Interessant natürlich jetzt hier zu dem Künstler selbst: Der Herr Oberbürgermeister hat mir das Meiste schon vorweg genommen, dafür bin ich ihm auch dankbar, denn ich bin heute nicht in dieser Verfassung und dieser Form, in der ich mich Ihnen gerne wie in früheren Zeiten präsentiert hätte. Ich möchte nun aber sehr begrüßen Herrn Dr. Ziegler, mit dem ich seit drei Jahren befreundet bin. Ich möchte ihm erstmal ein schönes Buch überreichen, und zwar den Lüscher-Test. Es wird über vier Farben-Menschen gesprochen, und das kann sehr interessant für ihn sein, vor allen Dingen, weil die Farbe bei ihm ja eine enorme Rolle spielt. Da kann er erfahren die verschiedenen Typen: den grünen Typen, den roten Typen, den gelben Typen, so wie beispielsweise der Psychologe Lüscher ließ oft auch Leute zu sich kommen. Da kam auch eines Tages ein junger Mann, mit dem wurde er aber nicht fertig, er wollte nichts erzählen von zu Hause usw.. Dann hat er ihm Karten vorgelegt, farbige Karten, und hat zu ihm gesagt: gucken Sie sich das mal an, was gefällt Ihnen denn da? Da war nichts Besonderes, aber die gelbe Karte, die reizte ihn. Lüscher hat daraus geschlossen, da ist irgend etwas in der Familie, was diesen jungen Mann stört. Er hat ihn ausgefragt und kam dahinter, dass er einen erdrückenden Vater hatte, ungefähr wie man sagt: Junge, halt‘s Maul, hast ja keine Ahnung davon! Das hat ihn „runter gedrückt in die Schuhe“. Der Arzt konnte ihm das erklären, so dass das Verhältnis zu seinem Vater sich wesentlich besserte und er natürlich damit auch dem jungen Mann helfen konnte.

Dann die Entscheidungen, die man zu treffen hat: Ist man ein gelber, ein roter, ein blauer Typ.

Nehmen wir einmal an, ein Flugzeug muss landen im Busch in Afrika. Tja, was nun? Aus dem Urwald heraus da kommen sie mit Speeren und dergleichen auf das Flugzeug zu. Wie reagieren nun die vier Menschen, die da drin sind? Der Gelbe sagt, Mensch, wir machen die Türen auf, raus, und wir jagen die zurück in den Busch! Der andere sagt, hat gar keinen Zweck hier, wir bleiben hier drin! Der Blaue sagt: Herrgott nochmal, was sollen wir machen, wir warten, bis sie abziehen. Der Grüne sagt: Was denn, wir haben doch noch einen Ausgang auf der anderen Seite. Hauen wir ab!

Das sind die verschiedenen Typen, nicht, die es gibt. Dasselbe passiert Ihnen doch täglich im Verkehr. Da kommt das Rot. Da müssen Sie stoppen. Dann kriegen Sie das Signal zur Weiterfahrt, dann setzen Sie weiter fort. Und auf diese Art und Weise kann man natürlich mit den Farben, und wenn man die Augen aufhält und -macht, fertig werden.

Hier haben wir nun, was unseren guten Dr. Ziegler angeht, einen Sonderfall. (Gelächter) Er ist ein Besessener. Vor drei Jahren habe ich ihn kennen gelernt, und es war im Wesentlichen dann nicht mein böses Knie, was er ja dann nun auch so gemacht hat, dass ich hier antreten konnte, sondern insgesamt gesehen seine Kunst. Ich fand Arbeiten bei ihm, die er dort (in der Praxis) hängen hatte. Das war ein Anlass gewesen, zu einer engen Freundschaft zu kommen, und wir haben viele interessante Kunstgespräche gehabt; und siehe da, je mehr man sich natürlich jetzt mit ihm befasste, umso mehr natürlich wurde er energisch. Er hat in kurzer Zeit, das muss ich Ihnen sagen, hat er hier ein Werk geschaffen. Da muss ich sagen: Deubel nochmal, wie hat er das fertig gebracht. Abends legt er seine Pinzetten beiseite, und dann ging er nach Hause, und hat dann noch bis nachts ein Uhr gearbeitet. Und in einer Nacht konnte er eine solche Arbeit fast fertig stellen.

Und was bringt er? Schauen Sie sich diese Arbeiten an. Ich brauche gar nicht viel dazu zu sagen. Seine Arbeitstechnik, seine Malweise ist eine wunderbare. Das Lasieren von Farben, weich, sanft angesetzt, nicht dick aufgetragen - aber leuchtende Farben bringt er, und das ist das Schöne und das Wunderbare daran. Jetzt können Sie sich selbst ausrechnen an den Farben hier, zu welchem Typen wir ihn rechnen sollen, zu den blauen Typen, den grünen, den roten oder den gelben. Das Gelb werden Sie nicht so sehr finden. Also er ist nicht in diesem Sinne ein gelber Typ, der nun mit unwahrscheinlicher Energie und absolut vorwärts will. Er ist bei allem Mensch geblieben und Sie sehen auch an der Thematik: die Natur interessiert ihn, er hat ein waches Auge, aber vor allen Dingen ist es der Mensch. Er will den Menschen nicht aus seinem Bild verbannen. Und da tut er auch recht mit. Und vor allem es sind, wenn Sie die Arbeiten sich anschauen, Beziehungen der Menschen zueinander. Schauen Sie einmal die Hände an, wie er sie ansetzt, schauen sich an, wie Menschen zueinander stehen, wie eine gewisse Art von Zärtlichkeit da ausstrahlt. Das habe ich auch bei ihm gemerkt als Arzt, als einmal im Lazarett (meint: Krankenhaus) lag, der erste Mann der rauf kam oben in die Klinik, das war er und guckte nach mir, wie es mir ging. Nicht, wer macht das schon als Doktor? (Großes Gelächter) Ich bin froh, dass er‘s gemacht hat. Er hat mich bis jetzt am Leben gehalten und es wird auch vielleicht noch ein bisschen weiter gehen.

Aber wie dem auch sei. Wir haben jetzt hier einen Mann, der einen Raketenstart gehabt hat. Und darüber freue ich mich besonders, das ist eine Ausstellung, wie wir sie lange nicht im Museum gehabt haben. Und dafür bin ich doch sehr dankbar, dass ein Mann, der im Grunde genommen ein Arzt ist, (Gelächter) die Abende damit verbringt, dass er malt. Er m u s s malen. Er ist einfach der davon Besessene. Und da tun wir gut daran. Das ist nicht nur für ihn, wie der Herr Oberbürgermeister schon gesagt hat, eine gewisse Art von Erholung, sondern es ist auch eine Anstrengung. Und was er uns zu bieten hat, das sind auch seltene Raritäten. Wenn ich mich nun frage: Ja, in welche Schublade kann man ihn denn nun hinein tun, ich habe ihn voriger Tage auch mal gefragt, da sagte er: in gar keine! Das ist seine eigene, nicht wahr. Und wir müssen auch sagen, wenn wir einmal dran lang gehen und ihn anschauen, was er gestaltet und wie er gestaltet, die Art und Weise, die Kompositionen, die er sich zusammen baut, ist schon etwas ganz Besonderes. Und darauf wollen wir achten. Ich will auch jetzt aufhören zu reden. Schauen Sie sich das alles an, es ist eine wunderbare Ausstellung. Nochmals ganz herzlichen Dank an die Stadt, die diese Möglichkeiten gegeben hat hier für die Künstler, und ich wünsche hier dem Dr. Ziegler, und dem Maler vor allen Dingen alles, alles Gute und einen guten Erfolg mit dieser Ausstellung.

Wir haben den Künstler unter uns. Wer Fragen an ihn zu richten hat, bitte: ich glaube, er stellt sich gern zur Verfügung.

OB: Vielen Dank, Herr Deisenroth, ich glaube, ich gebe ihm direkt nochmal das Wort.

Worte des Künstlers

Dr. Ziegler: Lieber Alexander, mein lieber Freund Alexander, muss man schon sagen! Wir hatten ja ursprünglich vor, die Ausstellung bei Dir zu machen. Und ich finde, es war so ehrlich, zu sagen: Deine Bilder bei mir? Nicht! Du Brauchst hier ganz tolle Räume mit viel Licht und groß bei Deinem Format. Ich bedanke mich für Deine einleitenden Worte zu dieser Ausstellungseröffnung und für Deine kleine Einführung in die Kunst schlechthin.

Es ist schon ein ganz anderes, neues, fast erhebendes Gefühl, muss ich schon sagen, einmal auf der anderen Seite hier zu stehen. Nicht in der Menge der Betrachter und Zuschauer und Interessierten, sondern hier vorne, um sich da zu präsentieren und seine Werke hier öffentlich zu machen.

Ich darf Ihnen zunächst danken, Herr Dr. Hamberger, als Oberbürgermeister und Schirmherr auch dieses Hauses, für die Zur-Verfügung-Stellung dieser Räume, die hervorragend geeignet sind, große Kunst, wie man hier sieht, oder wie ich besser sagen muss: großformatige Leinwände hervorragend zu präsentieren.

Und ich bedanke mich auch ganz herzlich bei Dr. Kirchhoff und seiner Mannschaft und für sein sehr persönliches Engagement, seine stundenlange Aufopferung seiner sicherlich sehr knapp bemessenen Zeit, gerade in dieser Zeit der Vorbereitung der 1250-Jahr-Feier der Stadt. Dem Team auch für die vielen Kleinarbeiten, die eine solche Ausstellung erfordert.

Ja, ich freue mich sehr, wie Sie, Dr. Hamberger, dass hier eigentlich ein Publikum heute angereist ist oder angetreten ist, das bei weitem die Zahl der sonst üblichen Besucher überschreitet. Es sind so viele Interessierte, oder Neugierige oder Freunde und Bekannte, Verwandten, Kollegen und Kolleginnen gekommen. Ich darf mich ganz herzlich bedanken aus weiter Ferne, ich sehe gerade, aus Erlangen, aus Frankfurt, aus Landshut, aus Bremen, also ziemlich weit, Berlin und Düsseldorf wären es fast noch geworden, aber das klappte nicht mehr ganz, und natürlich sehr viele auch aus Fulda und der näheren Umgebung. Ganz besonders freue ich mich, dass es geklappt hat, dass zwei ehemalige Klassenkameraden und alte Freunde aus meiner Nürnberger Gymnasialzeit – und das liegt weit zurück, in der Mitte der fünfziger Jahre – auf die Frage, ob sie kommen, spontan gesagt haben: Jawohl, ich komme, und Ihr heute hier seid. Lieber Gerhard und lieber Albert, und Du hast Deine Frau noch mitgebracht, das finde ich ganz toll, dass wir uns nach 35 Jahren, glaube ich, zum ersten Mal wieder sehen und so einen Anlass haben. Und wir haben uns auch ne Menge noch zu erzählen. Toll, dass Ihr da seid.

( Zur Ehefrau gewandt) Ich möchte mich auch bei Dir sehr herzlich bedanken. Herr Dr. Hamberger sprach das schon an mit dem Familienleben, Familie und Hobby und Beruf und so weiter. Es ist ja schon schwer zu kombinieren, wenn man einen Job hat, der full-time von morgens bis abends einen fordert. Und mir bleibt oft wirklich nur die Nacht zum Arbeiten. Das schlägt sich vielleicht auch nieder in den Blau-Grün-Tönen –( Großes Gelächter) - Morgens bin ich dann oft ganz erschrocken, was ich da wieder fabriziert habe, wenn das Halogen-Licht aus ist. Aber Sie sehen, trotzdem kann man sich es ein bisschen ankucken. Ich bedanke mich herzlich für Deine Geduld der stundenlangen Abwesenheit im Atelier abends, aber ich weiß doch, dass Du ein Großteil dadurch abfängst, dass Du Dich ja doch sehr politisch auch engagierst, und das auch viele Abende die Woche! So hat eben jeder sein Scherflein.

Nicht unerwähnt möchte ich lassen, dass es mir heute auch wirklich Glück und Freude bedeutet, dass ich Dich, meine liebe Mama, hier in bester Verfassung begrüßen kann. Es ist sicherlich nicht nur für mich, sondern auch für Dich oder vielleicht viel mehr sogar für Dich ein Höhepunkt im Leben, warst DU es doch, die mich von frühester Kindheit und Jugend an stets zum Malen animiert hat, und mich über viele Jahre hinweg immer positiv motiviert hat, weiter zu machen, bis ich mich frei geschwommen hatte. Wenn ich noch daran denke, Du warst es schließlich, die für mich die ersten Leinwände kaufte und die ersten Pinselchen, die ersten kleine Öltuben, mit denen ich heut nicht mehr auskäme. Und das sind alles Dinge, die vom Haushaltsgeld abgezweigt werden mussten, das war ja damals so üblich. Hab herzlichen Dank dafür! (Beifall)

Deisenroth (Zwischenbemerkung): Das Wort „Hobby“ möchte ich bei dieser Ausstellung eigentlich nicht angewandt wissen, denn diese Ausstellung ist keine Hobby-Ausstellung. Ich hab ja angedeutet, dass es doch ein Besessener ist. Und Besessenheit, das ist doch etwas ganz anderes.

Dr. Ziegler: Alexander, Du magst recht haben. Dieser Dialog hier vorne ist ja auch recht fruchtbar. Ich finde schön, dass Du das sagst. Aber es ist tatsächlich so: man fühlt sich auch wirklich besessen, und ich fühle manchmal abends, wenn ich nichts mehr gemalt habe nach zwölf Stunden täglicher Arbeit, da fühle ich mich eigentlich so, als hätte ich nichts geschafft.

Aber gut, wie dem auch sei. Ein künstlerisch aktiver Mensch, ich sage bewusst nicht Künstler, sollte eigentlich zu seinen eigenen Sachen und Werken nicht unbedingt Stellung nehmen. Ich wünsche in diesem Sinne jedenfalls einen angenehmen Rundgang, einen Abend, der Sie bereichert. Bleiben Sie einmal vor den Bildern stehen und empfinden Sie. Vielleicht springt die Vibration über vom Bild zum Betrachter, wie das Kandinsky formuliert hat, und überlegen Sie, ob nicht ein Bild nicht auf den ersten Augenblick nicht gleich alles sagt, sondern man muss ein bisschen Zeit vielleicht verwenden. Und es sind sehr viele Bilder, die eigentlich Zeit kosten des Anschauens. Und wenn Sie heute nicht alles schaffen, dann kommen Sie eben gerne noch mal wieder. In diesem Sinne einen schönen Abend, danke, dass Sie alle gekommen sind. Ich gebe das Wort an Sie zurück, Dr. Hamberger, die Ausstellung zu eröffnen.

OB Dr. Hamberger: Ja, die Ausstellung ist eröffnet!

1997 Vernissage brArtGallery Zollikofen / Bern