2000 Vernissage "Kunst und Justiz" Arbeitsgericht

Vernissage im Arbeitsgericht Fulda, Einführung durch Heide Berg-Raab

Es ist dies eine sehr umfangreiche Ausstellung mit vielen Exponaten, und gibt einen sehr guten Eindruck und Einblick in das Schaffen dieses Künstlers.

Dr. Ziegler muss ich Ihnen wohl kaum vorstellen. Er ist den meisten von Ihnen bekannt, als Arzt, als Künstler, als beides und durch zahlreiche Ausstellungen in Fulda und in anderen Städten des In- und Auslandes.

Wer seine großformatigen und farbigen Bilder einmal gesehen hat, wird sie so schnell nicht wieder vergessen. Sie prägen sich ein, sie hinterlassen Spuren und Eindrücke.

Und immer wieder, wenn ich seine Bilder sehe, muss ich mich fragen: woher nimmt dieser Mann die Kraft und die Zeit für diese Bilder neben seinem verantwortungsvollen Beruf als Chirurg und auch noch als Familienvater?

Und da fiel mir in diesen Tagen eine Aussage ein von Arnold Schönberg, dem Erfinder der 12-Ton-Musik um 1920, der sagte: Kunst kommt von Müssen. Schönberg betont damit die Ansicht, dass Kunst machen ein psychologischer Trieb ist. Man m u s s Kunst machen. Man muss dazu sagen, Schönberg lebte in Wien, in der Stadt Siegmund Freuds. Schönbergs Ansicht steht als Ergänzung zu Robert Schumanns Ansicht, und zu vielen Kunstkritikern zu Beginn dieses Jahrhunderts, die meinten: Kunst kommt nur von Können, und betonten damit den mehr handwerklichen und den technischen Aspekt der Kunst.

Wie aktuell und unentschieden dieses Thema auch heute noch ist, sehen wir in der momentanen Debatte um das Projekt von Hans H. für den Deutschen Bundestag.

Bezogen auf Karl-Berthold Ziegler heißt dies für mich: dieser Mann m u s s malen. Und weil er malen muss, hat er in mühsamer langjähriger Arbeit seine ihm so eigene technisch sehr präzise Technik erarbeitet und erlernt.

Karl-Berthold Ziegler ist in der glücklichen Lage, mehrfache Begabungen zu besitzen. Neben der Malerei soll er auch noch sehr gut Klavier spielen können, habe ich gehört, und er weiß, diese Begabungen zu nutzen.

So kann er in dem einsamen meditativen Prozess des Malens einen Gegenpol setzen zur Hektik seines Berufes, er kann damit seinen Erlebnissen und Fantasien freien Lauf lassen.

Bereits seit 1957 beschäftigt sich Ziegler mit Kunst, damals angeregt durch seine Kunsterzieher während seiner Schulzeit. Er studierte jedoch Medizin, nicht Kunst. Aber sie hat ihn bis heute nicht losgelassen.

Ich lernte Dr. Ziegler 1983 kennen. Er war damals Mitbegründer der Werkstatt für Kunst und Kommunikation in Künzell / Keulos. Leider gibt es diese Werkstatt heute nicht mehr. Ich erinnere mich damals an diese großen Leinwände, sehr schöne weiße Tulpenbilder, die mich wahnsinnig faszinierten, aber auch an expressive Landschaftsbilder.

In den folgenden Jahren wurde der Mensch zu einem wichtigen Thema des Künstlers, und allmählich umfasst seine Thematik alles, was ihm künstlerisch reizvoll erscheint, über das Figurative hin bis zur abstrakten Komposition. Ziegler braucht große Leinwände. Sie geben ihm genügend Spielraum für seine Intentionen, für seine Fantasien und auch für sein Ich.

Während seiner nun 40-jährigen Beschäftigung mit der Kunst, mit der Malerei, durchlief Ziegler verschiedene Phasen des Experimentierens. Vom Naturalismus über den Surrealismus hin bis zu dieser – ich möchte sie seine kubistische Phase nennen, in der Ziegler meiner Meinung nach zur Zeit seinen Stil und seine künstlerische Heimat gefunden hat.

Man muss sich für die Bilder viel Zeit lassen, man muss genau hinschauen, um Inhalt und Hintergründe zu erfassen. Ich möchte an dieser Stelle noch ein Zitat von Paul Klee aussprechen. Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar. Das heißt: hin schauen, sich überlegen: was ist damit gemeint?

Dieser Künstler, finde ich, muss weiter malen. Dies ist bestimmt nicht die letzte Ausstellung, die wir von ihm hier oder anderswo sehen. Wir dürfen gespannt sein, in welche Richtung sich seine Fantasien und seine Technik noch entwickeln.

Ich wünsche der Ausstellung viel Erfolg und ich wünsche Dr. Ziegler weiterhin viel Schaffenskraft und viel Schaffensfreude. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

2009 Vernissage "EntFaltungen" Kunstverein Fulda
1998 Vernissage "Neue Bilder" Galerie Raab, Fulda