1998 Vernissage "Neue Bilder" Galerie Raab, Fulda

Heide Berg – Raab: Ich möchte Sie ganz herzlich begrüßen zur Ausstellungseröffnung „Neue Bilder“ von Karl-Berthold Ziegler. Ich bin der Meinung, den Künstler muss ich eigentlich gar nicht vorstellen, Dr. Ziegler ist bekannt als Arzt, als Künstler oder auch als beides. Seine Bilder wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen bereits in Fulda gezeigt, und in den letzten Jahren auch vermehrt außerhalb Fuldas. Also ich weiß jetzt nur von Kassel, Bern, Genf, Strasbourg und so weiter.

Dr. Ziegler ist in der glücklichen Lage, seine zwei Begabungen ausleben zu kennen. Also, ich kenne nur zwei, vielleicht gibt es noch mehrere. Das ist auf der einen Seite die überaus verantwortungsvolle Tätigkeit als Chirurg und auf der anderen Seite ist er ein leidenschaftlicher Maler, ein Künstler. Und er hat die Möglichkeit, seine Tätigkeit als Arzt auch zu verarbeiten, zu transzedieren.

Die Präzisionsarbeit des Chirurgen findet eine Ergänzung in der freien, wohl sehr subjektiven Entfaltung der Maltechnik, in der suchenden Person. Eine andere, eine schöpferische Verantwortung kommt zu seiner hauptberuflichen Verantwortung hinzu und ich sage einfach einmal: eigentlich muss er ein sehr zufriedener und glücklicher Mensch sein dabei. Seine Bildthematik umfasst alles, was ihm künstlerisch reizvoll erscheint: die Landschaft, die abstrakte Form oder, wie in dieser Ausstellung schwerpunktmäßig vertreten, der Mensch, die menschliche Beziehung. Die menschlichen Darstellungen des Künstlers faszinieren auf eine besondere Art und Weise. Seine realistische Malweise, wie wir sie aus früheren Perioden kennen, wird hier zugunsten der Auflösung von Farben und Massen aufgegeben, so wie wir das bereits im analytischen Kubismus kennen. Zersplitterte Körper entwickeln mit ihren vielfachen Brechungen eine eigenständige Bildsprache. Zwar sind einzelne Körperteile wie Lippen und Gliedmaßen noch erkennbar. Es dominiert aber eine kristalline Struktur, die das Ganze in eine Unzahl eigener Teile mit unterschiedlichen Ansichten aufbricht. Die Körper entwickeln sich zu bizarren Landschaften, sie wirken wie mit einem Seziermesser bearbeitet.

Mitte der achtziger Jahre habe ich die ersten Bilder von Dr. Ziegler gesehen, in der damaligen „Werkstatt für Kunst und Kommunikation“ in Keulos, wo er auch Mitbegründer war. Es waren damals große Landschaften, surrealistische und fotorealistische Bilder. Ich glaube, dass er heute nach Jahren des Suchens und des Experimentierens seine Handschrift gefunden hat.

Ich wünsche der Ausstellung viele interessierte Besucher, ich wünsche dem Künstler sehr viel Zeit und Motivation zum Arbeiten in jeder Hinsicht. Ich wünsche Ihnen, sehr verehrtes Publikum viel Anregungen durch die Bilder. Ich bedanke mich ganz herzlich für Ihr Kommen, für Ihr Interesse und wünsche Ihnen noch einen angenehmen Abend.

2000 Vernissage "Kunst und Justiz" Arbeitsgericht
1998 Vernissage "Neue Bilder" - Galerie Dr. Böhner