1998 Vernissage "Neue Bilder" - Galerie Dr. Böhner

Laudatio: Sabine Schirra, Kulturbeauftragte der Stadt Mannheim

Aus dem jahrzehntelangen künstlerischen Schaffen von Karl-Berthold Ziegler werden heute Beispiele aus zwei Werkgruppen gezeigt, Stillleben und menschliche Darstellungen. Beginnen möchte ich mit den im weitesten Sinne als Stillleben zu bezeichnenden Darstellungen aus den 80er Jahren. Dieser Werkkomplex zeichnet sich durch sein annähernd quadratischen Formate und die delikate monochrome Farbgestaltung aus. Es dominiert die Farbe weiß, das zu vielfältigen Abstufungen im Grau-Bereich gebrochen wird oder auch ins Chamois hinüberspielen kann. Wenige Grundelemente in unterschiedlichen Anordnungen bestimmen das Bildgeschehen: Servietten, Tischtücher, Bestecke und Gedecke. Dire Ausgewogenheit, die sich schon in der Wahl der fast quadratischen Bildträger andeutet, wird durch die rechteckigen Stofffalten verstärkt, die sozusagen als architektonisches Grundgerüst dienen.

Aufgelockert wird dieses Koordinatensystem von Horizontalen und Vertikalen, - die allerdings in ihren Achsen leicht verschoben sind - , durch kleine Falten im Binnenstrukturbereich. Die Anordnung der übrigen Objekte, also Geschirr, Gläser und Bestecke, lassen beim Betrachter die Anmutung der Erwartung entstehen. Erwartung insofern, als dass die notwendigen Elemente für ein Essen, also Speisen und Getränke, noch nicht aufgetragen sind. Es wird auf etwas verwiesen, was noch nicht eingetroffen ist, aber notwendiger Bestandteil des Geschehens sein müsste. Diese fast noch leeren Tische warten darauf, von jemandem benutzt zu werden. Sie erscheinen als leere Seiten eines Buches, dessen Text noch geschrieben werden muss.

Ganz anders verhält es sich mit den Menschendarstellungen von Karl-Berthold Ziegler aus den 90er Jahren. Die realistische Malweise, wie wir sie bei den Stillleben beobachten können, wird hier zugunsten einer Auflösung der Formen und Massen aufgegeben, so wie wir sie aus dem analytischen Kubismus kennen. Zersplitterte Körper entwickeln mit ihren vielfachen Brechungen eine eigenständige Bildsprache. Zwar sind einzelne Körperteile wie Lippen oder Gliedmaßen noch erkennbar, es dominiert aber eine kristalline Struktur, die das Ganze in eine Unzahl eigener Teile mit unterschiedlichsten Ansichten aufbricht. Die Körper entwickeln sich zu bizarren Landschaften vor jeweils monochromen Hintergründen. Sie wirken wie mit dem Seziermesser bearbeitet, was insofern Sinn macht, als dass Karl-Berthold Ziegler in seinem Hauptberuf Unfallchirurg ist. Seine Menschendarstellungen sind schrill in ihrer Farbgebung, nicht natürlich bei seinem grünen Menschenbild und bei den Schwestern und dem Torso II erzeugen die farblichen Abwandlungen der Fleischtöne durch die Beimischung von Braun und Orange einen leichten Widerwillen, wobei sich der Blick aber nicht endgültig abwendet, sondern aus unerklärlichen Gründen immer wieder zurückgezogen wird.

Während die Stilleden von Karl-Berthold Ziegler noch auf ihre Geschichte warten, wird im zweiten Teil der Galerie mit den Arbeiten von Wolf Adam Bottinelli ein kompletter Plot erzählt, der jedoch als zusammenhängende Geschichte nicht mehr erkennbar ist …..

1998 Vernissage "Neue Bilder" Galerie Raab, Fulda
1997 Vernissage brArtGallery Zollikofen / Bern